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Notenrechnung im Staatsexamen — wie aus Punkten Prädikate werden

Wie viele Klausuren musst du auf wie vielen Punkten schreiben, um ein vollbefriedigend zu erreichen? Die deutsche Examensnotenrechnung in einem klaren Überblick.

Von Jurafuchs-Redaktion · 8 min · aktualisiert 2026-05-07

Im Jurastudium läuft alles in „Punkten" — null Punkte (ungenügend) bis 18 Punkte (sehr gut). Die Examensnote setzt sich aus mehreren Klausuren, einer mündlichen Prüfung und (im Schwerpunkt) zusätzlich einer Hausarbeit zusammen. Wer in der Examensvorbereitung steckt, sollte verstehen: ab welcher Punktzahl bin ich wo? Hier ist die Übersicht.

Die deutsche Punkteskala

Anders als die Schul-Skala 1–6 nutzt das Jura-Examen eine 18-Punkte-Skala mit groben Notenstufen: 0–3 Punkte ungenügend; 4–6 mangelhaft; 7–8 ausreichend; 9–11 befriedigend; 12–13 vollbefriedigend (das berühmte „Prädikat"); 14–15 gut; 16–18 sehr gut. Das Prädikat beginnt bei 9 Punkten — die meisten Recruiter verstehen unter „Prädikat" aber 9+ Punkte; einige meinen damit erst 13+.

Wie viel Prozent Prädikatsexamen?

In Deutschland liegen die Prädikatsquoten (alle Examen mit ≥ 9 Punkten) je nach Bundesland zwischen 12 % und 22 %. Hamburg, Bayern und Baden-Württemberg haben strenge Prüfungsämter (12–15 % Prädikat), Berlin, Bremen und Schleswig-Holstein traditionell etwas mehr Wohlwollen (18–22 %). Bundesdurchschnitt: ~17 %. Das gesamtdeutsche Examen ist eine der schwierigsten Prüfungen Europas.

So setzt sich die Note zusammen

Erstes Staatsexamen: 70 % staatlicher Pflichtteil (bestehend aus 5–7 Klausuren à 5 Stunden + mündliche Prüfung), 30 % universitärer Schwerpunkt (Klausuren + Hausarbeit + mündliche Prüfung). Zweites Staatsexamen: 8 Klausuren + mündliche Prüfung. Beide Stufen werden separat benotet und im Lebenslauf häufig getrennt angegeben.

Was die Note bedeutet

9 Punkte (untere Prädikatsgrenze): Großkanzlei-Bewerbung möglich, aber konkurrenzstark. Justiz: in vielen Bundesländern eingestellt. Inhouse: gute Chancen. Verwaltung: eingestellt. 11+ Punkte: meiste Großkanzleien wollen dich, frühe Justiz-Einstellung, Inhouse-Premium-Positionen. 13+ Punkte: jedes Recruitment-Programm, schnelle Universitätskarriere möglich, höchste Wissmit-Stellen.

Notenkonsistenz: das unterschätzte Kriterium

Recruiter schauen nicht nur auf den Endschnitt, sondern auch auf die Verteilung. Eine 10-Punkte-Note mit Schwankung von 5 bis 14 Punkten signalisiert Unzuverlässigkeit. Eine 10-Punkte-Note mit Schwankung von 8 bis 12 Punkten signalisiert solide Reproduzierbarkeit. Großkanzleien bevorzugen Letzteres — sie wollen wissen, dass du auch unter Druck konstant lieferst.

Wie du die Note maximierst

Wichtigste Hebel in absteigender Reihenfolge: (1) Klausurenroutine — schreib mindestens 50 Klausuren während der Examensvorbereitung. (2) Externe Korrektur — Selbstbewertung ist im Examen unzuverlässig. (3) Stoffsystematik — keine Lückenstellen, kein „Hoffe ich kommt nicht dran". (4) Schlaf und Erholung — die Klausurtage sind 5 Stunden volle Konzentration. (5) Schwerpunktwahl — siehe unseren separaten Schwerpunkt-Guide.

Realistische Erwartungen

Der Bundesdurchschnitt liegt bei ca. 6,5 Punkten im ersten Examen. Wenn du in der Examensvorbereitung konstant bei 6 Punkten stehst, ist ein Punktedurchschnitt von 7,5 im Examen ein realistisches Ziel — Klausurenroutine + Klausur-Adrenalin lohnen statistisch 1–1,5 Punkte. Wer von Beginn der Examensvorbereitung an bei 8 Punkten steht, kann mit Prädikat rechnen.

Was viele falsch machen

Übermäßiger Fokus auf einzelne hohe Klausurnoten („Ich habe 14 Punkte geschrieben!"). Im Examen zählt der Durchschnitt, nicht der Einzelhöchstwert. Wer drei Klausuren mit 14 Punkten und vier Klausuren mit 5 Punkten schreibt, kommt nicht ins Prädikat. Konsistenz schlägt Spitzen.

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